Von allen Ausrüstungsgegenständen, die man zum Laufen braucht, ist die Socke der am meisten unterschätzte. Und immer noch sparen viele Läufer hier am falschen Ende. Dabei entwickeln mittlerweile zahlreiche Hersteller spezielle Funktionssocken für Läufer. Zusätzlich wird das Angebot durch die eigene Kategorie der Kompressionsstrümpfe erweitert. Vereinfacht ausgedrückt, sind das eng sitzende Kniestrümpfe.
Ihren Ursprung verdanken Kompressionsstrümpfe der Behandlung von Durchblutungsstörungen in den Beinen. Hier sind positive Wirkungen wissenschaftlich nachgewiesen. Verschiedene Anbieter – in Deutschland sind vor allem Cep, Falke und X-Socks bekannt – haben aber spezielle Kompressionssocken für Läufer entwickelt.
Das Funktionsprinzip ist jeweils gleich. Die Socken haben einen langen Schaft in Kniestrumpfform. Sie sind vom Knöchel bis unterhalb des Knies mit engen, elastischen Materialien gestrickt, die einen leichten Druck auf die Wade ausüben, die Kompression eben. Wie bei den orthopädischen Kompressionsstrümpfen wird so der Umgebungsdruck gesteigert. Die Muskulatur entspannt sich, und der venöse Rückstrom des Blutes zum Herzen wird verbessert. Außerdem können sich die Arterien weiten – und mehr Blut durchlassen, also mehr Sauerstoff zum Muskel transportieren. So weit die Theorie.
In der Praxis fällt zunächst auf, dass die Strümpfe schwieriger anzuziehen sind. Das Tragegefühl ist durch den erhöhten Druck auf die Wade anfangs ungewohnt, doch beim Laufen ist das schnell vergessen.
Im Tragetest fiel auf, dass die Modelle der Firmen Cep und Falke dünner ausfallen als viele typische Laufsocken. Dies sollte bei der Laufschuhwahl und -anprobe berücksichtigt werden, sonst rutscht man mit den Strümpfen im Schuh, und es gibt Blasen, obwohl die besondere Rutschfestigkeit der Kompressionssocken genau das verhindern soll.
Wichtig: Die Socken sollten nur im gut sortierten Fachhandel gekauft werden, denn neben der Fußgröße ist auch der Wadenumfang als Größenmaß erforderlich – und für die Funktion von entscheidender Bedeutung.
Bleibt die Frage: Was bringt’s? Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die die theoretischen positiven Effekte in der Praxis bestätigen, doch entstammen die meisten aus der sogenannten Drittmittelforschung und sind deshalb kritisch zu beurteilen. Nach einer Studie der Universität Erlangen waren Läufer mit Kompressionsstrümpfen an ihrer anaeroben Schwelle um bis zu 0,25 km/h schneller als ohne und hielten auf dem Laufband durchschnittlich fünf Prozent länger durch.
Neben Paula Radcliffe, die das Tragen von Kompressionsstrümpfen zwar nicht erfunden, aber ins Gespräch gebracht hat, setzt eine ganze Reihe von Top-Langstreckenläufern auf dieses Hilfsmittel – interessanterweise vor allem Läuferinnen, Männer in der Weltspitze (außer Triathleten) eher selten. Haile Gebrselassie etwa lief seine Weltrekorde ohne. Vielleicht ist es eine Frage der Ästhetik? Zur kurzen Hose sehen sie einfach gewöhnungsbedürftig aus.